Bio-Kosmetik & zuverlässige Labels: Echt zertifizierte Produkte erkennen und Greenwashing vermeiden
Der Markt für natürliche und biologische Kosmetikprodukte wächst rasant. Die Begriffe „Bio”, „natürlich”, „clean” oder „green” tauchen immer häufiger auf, ihre Bedeutung bleibt jedoch oft unklar.
Anders als bei Lebensmitteln gibt es für den Begriff „Bio” in der Kosmetikbranche keine gesetzliche Definition. Jede Marke kann diesen Begriff also nach Belieben verwenden, was Raum für unterschiedliche Interpretationen lässt … und manchmal auch für Greenwashing.
Dieser Artikel bietet einfache und zuverlässige Anhaltspunkte, um:
- zu verstehen, was „Bio-Kosmetik” wirklich bedeutet,
- Marketingaussagen von zertifizierten Verpflichtungen zu unterscheiden,
- die zuverlässigsten Labels kennenzulernen,
- die Fallen des Greenwashings zu umgehen,
- Herstellern die Möglichkeit zu geben, ihren Ansatz mit anerkannten Referenzsystemen aufzuwerten.
„In der Kosmetikbranche gibt es auf europäischer Ebene keine gesetzliche Definition für den Begriff „Bio“: Nur eine unabhängige Zertifizierung gibt einen genauen Rahmen vor.“
Warum ist der Begriff „Bio” in der Kosmetik nicht geregelt?
Eine bedeutende regulatorische Lücke
In Europa unterliegen Kosmetika strengen Sicherheitsvorschriften, aber es gibt keine offizielle Definition dafür, was ein „Bio”- oder „Naturkosmetikprodukt” ist.
Im Gegensatz zu Lebensmitteln gibt es:
❌ keinen Mindestanteil an Bio-Inhaltsstoffen,
❌ keine zugelassenen/definierten Verfahren,
❌ keine zwingend ausgeschlossenen Stoffe,
❌ keinen öffentlichen Rahmen zur Kontrolle der Verwendung des Begriffs.
Völlig freie Verwendung zu Marketingzwecken
Eine Marke kann daher die Begriffe „Bio”, „natürlich” oder „clean” verwenden:
- indem sie einen einzigen pflanzlichen Inhaltsstoff hervorhebt,
- durch die Nutzung einer umweltfreundlichen Verpackung,
- oder indem sie einen Teilansatz hervorhebt…
… ohne dabei offizielle Standards einzuhalten.
Diese Unklarheit sorgt für Verwirrung bei den Verbrauchern.
Die Rolle privater Zertifizierungen
Um diese Lücke zu schließen, haben private Standards wie COSMOS, NATRUE und Ecogarantie objektive und überprüfbare Kriterien definiert.
Diese Labels füllen die Lücken des gesetzlichen Rahmens mit:
- präzisen Kriterien
- klaren Grenzwerten
- jährlichen, unabhängigen Audits

Wenn das Marketing von Unklarheiten profitiert: Greenwashing verstehen
Die massive Verwendung nicht geregelter Begriffe
„Clean”, „green”, „natürlich”, „umweltfreundlich”… Diese Begriffe klingen gut, haben aber in der Kosmetikbranche keinerlei rechtliche Bedeutung. Sie dienen meist dem Marketing, anstatt auf ein echtes Engagement zu verweisen.
Was ist Greenwashing?
Greenwashing bedeutet, einem Produkt ein übertriebenes oder unbegründetes ökologisches Image zu verleihen. In der Kosmetikbranche kann dies Folgendes bedeuten:
- Hervorhebung eines geringfügigen Anteils an Bio-Inhaltsstoffen
- vage Angaben („saubere Formel”)
- eine „natürlich” wirkende visuelle Darstellung
- mangelnde Transparenz bei der Herkunft der Inhaltsstoffe
Die Folgen
- Fehlinformation der Verbraucher
- Vertrauensverlust gegenüber wirklich engagierten Marken
- Verwirrung zwischen Marketingversprechen und Zertifizierung
- Verlangsamung bei der Entwicklung wirklich nachhaltiger Kosmetik
Wie erkennt man zuverlässige Kosmetiklabels?
Labels dienen der Transparenz. Sie basieren alle auf:
- einem öffentlichen Referenzsystem
- einer Liste zugelassener oder verbotener Inhaltsstoffe
- einem Mindestanteil an biologischen oder natürlichen Rohstoffen
- jährlichen Audits durch eine unabhängige und akkreditierte Zertifizierungsstelle
Hier die wichtigsten Labels, die Sie kennen sollten : Cosmos-Standard, NATRUE et Ecogarantie
COSMOS Organic
COSMOS Natural
NATRUE Organic
NATRUE Natural
ECOGARANTIE





Herkunft der Zutaten
Mindestens 95 % natürlich
Mindestens 95 % natürlich
100 % natürlich
100 % natürlich
100 % natürlich
BIO-Anforderungen
Mindestens 20%
Keine
Mindestens 95%
Keine
100%
GVO
❌
❌
❌
❌
❌
Synthetische Substanzen
Strenge Auflagen
Strenge Auflagen
Verboten (Silikone, Parabene, synthetische Duftstoffe, Mineralöle, Mikroplastik)
Verboten (Silikone, Parabene, synthetische Duftstoffe, Mineralöle, Mikroplastik)
Die meisten petrochemischen Substanzen sind verboten
Tierversuche
❌
❌
❌
❌
❌
Nachhaltige Verpackung*
✅
✅
✅
✅
✅
Öffentliche Datenbank
✅
✅
✅
✅
➖
* Beachten Sie die Anforderungen der einzelnen Labels in Bezug auf nachhaltige Verpackungen

Praktischer Leitfaden:
Wie erkennt man echte Bio-Kosmetik?
- Achten Sie auf ein anerkanntes Label
COSMOS, NATRUE, Ecogarantie, … - Überprüfen Sie den Namen der Zertifizierungsstelle
Zum Beispiel: Certisys oder Ecocert - Überprüfen Sie die Kohärenz der Aussagen
Eine „grüne” Verpackung ohne Label → vorsichtig sein
Vage Angaben → misstrauisch werden - Lesen Sie die INCI-Liste
Transparenz beginnt bei der Zusammensetzung.

Was ist das? Die INCI-Liste in 3 Punkten erklärt
Die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) ist die obligatorische Liste aller Inhaltsstoffe Ihres Produkts.
Um sich nicht mehr von einer „grünen” Verpackung in die Irre führen zu lassen, sollten Sie diese drei goldenen Regeln beachten:
- Die Mengenregel: Die Inhaltsstoffe sind nach ihrem Anteil in absteigender Reihenfolge aufgeführt. Die ersten 5 Begriffe der Liste machen in der Regel 80 % des Produkts Wenn der auf der Flasche angepriesene pflanzliche Wirkstoff an 15. Stelle steht, ist er nur in ganz geringen Mengen enthalten.
- Der Geheimcode:
- Lateinischer Name = Natürlich. (Beispiel: Aloe Barbadensis = Aloe Vera).
- Englischer Name = Chemisch. (Beispiel: Fragrance = Synthetischer Duftstoff).
Je mehr lateinische Begriffe am Anfang der Liste stehen, desto besser!
- Der Greenwashing-Test: Ein Produkt, das mit Blumen beworben wird, dessen INCI-Liste jedoch mit Paraffinum Liquidum (Petroleumöl) oder Dimethicone (Silikon) beginnt, betreibt Greenwashing.
- Zusätzlicher Tipp: Die Wahrheit findet sich nicht auf der Verpackung, sondern in der Liste der Inhaltsstoffe.
Fazit
Um die Echtheit der Bezeichnung „Bio” zu gewährleisten, müssen Kosmetika auf klaren Referenzsystemen und auf einer unabhängigen Überprüfung durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle basieren. Zertifizierungen geben den Verbrauchern die Garantie für echte Bio-Kosmetika.
Und für die Hersteller von Kosmetikprodukten? Die Zertifizierung ist ein echter strategischer Hebel und ein Garant für Glaubwürdigkeit. Sie bietet eine erhöhte Glaubwürdigkeit, eine klare Abgrenzung auf einem gesättigten Markt, ein Statement gegen Greenwashing und vor allem eine Antwort auf die Erwartungen der Verbraucher.

Weitere Informationen
Um besser zu verstehen, was ein zertifiziertes Bio- oder Naturkosmetikprodukt ausmacht, können Sie auf diese offiziellen Quellen und anerkannten Labels zurückgreifen:
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über Kosmetika – Europäische Kommission
- COSMOS: Kriterien für Bio- und Naturkosmetik – COSMOS
- NATRUE: Label für natürliche und biologische Kosmetik – NATRUE
- Ecogarantie: Belgische Zertifizierung für nachhaltige Kosmetikprodukte – Ecogarantie
- Greenwashing und Kosmetiklabels – Ecocert – Erläuternder Artikel (in französischer Sprache) und Ecocert – Greenwashing-Warnung (in französischer Sprache).
Anhand dieser Referenzen können Sie die Informationen überprüfen, die Zertifizierungskriterien von COSMOS, NATRUE und Ecogarantie besser verstehen und echte, zuverlässige Bio-Kosmetik erkennen.
FAQ – BIO-Kosmetik und nachhaltige Kosmetik
Darf eine Marke den Begriff „Bio“ ohne Zertifizierung verwenden?
Aus rechtlicher Sicht ja: In Europa ist die Verwendung des Begriffs „Bio” für Kosmetik nicht geregelt.
Für die Marke birgt dies jedoch Risiken, da:
- dies bei den Verbrauchern falsche Erwartungen wecken kann,
- dies als Beginn von Greenwashing angesehen werden kann,
- dies zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit gegenüber zertifizierten Konkurrenten führt,
- einige Marken künftig Nachweise für ihre Umweltversprechen verlangen.
Die Zertifizierung bietet somit einen klaren Rahmen und sie schützt die Marke ebenso wie den Verbraucher.
Wie kann ein Unternehmen das für seine Produkte am besten geeignete Label finden?
Dies hängt von mehreren Kriterien ab:
- Art der verwendeten Inhaltsstoffe,
- Zielmärkte,
- Positionierung der Marke (Bio-Kosmetik vs. Naturkosmetik vs. umweltfreundliche Kosmetik),
- Rezepturvorgaben,
- Wunsch nach Harmonisierung eines bestehenden Produktportfolios.
COSMOS, NATRUE und Ecogarantie basieren allesamt auf öffentlichen Spezifikationen, ihre Anforderungen und ihre interne Logik variieren jedoch.
Kontaktieren Sie Certisys, um das für Ihren Markt am besten geeignete Label zu finden.
Welche konkreten Vorteile bietet die Zertifizierung von Kosmetik für eine Marke?
- Glaubwürdigkeit: Anerkannte Labels geben den Verbrauchern sofort Sicherheit.
- Differenzierung auf einem gesättigten Markt: Da die meisten Behauptungen, die auf die „Natürlichkeit“ anspielen, nicht überprüft sind, wird ein Label zu einem starken Unterscheidungsmerkmal.
- Einfacherer Zugang zu bestimmten Handelsketten: Zahlreiche Händler verlangen konkrete Nachweise in Bezug auf Natürlichkeit und Rückverfolgbarkeit.
- Klarheit im Marketing: Die Spezifikationen dienen als Leitfaden für eine verantwortungsvolle Kommunikation.
- Kontrolle der Lieferkette: Audits und Kontrollen verpflichten zu einer besseren Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe und der Verfahren.
Eine Zertifizierung ist mehr als nur ein Label, das man anbringt: Es ist eine Vertrauensstruktur, die die gesamte Wertschöpfungskette stärkt.