Sanktionen und Einspruchsverfahren

Das Kontroll- und Zertifizierungssystem basiert auf der Feststellung und der genauen Bestimmung der Mängel mit einer dementsprechenden, angepassten Sanktion, wobei den betroffenen Betreibern jedoch die Mittel und Möglichkeiten, sich zu verbessern und zu verteidigen, geboten werden.

  • Sanktion

    Gewährleistung des ”Vertrauenswürdigen” im Bio-Bereich

    Zertifizierungssystem Certisys Zertifizierungssystem Certisys(pdf)

    "Sanktion": dieses Wort hat einen unangenehmen Beigeschmack und erinnert, seit der Kindheit, an Strafe. Dabei vergisst man leicht, dass die Sanktion die Hüterin der Strenge und der Unerlässlichkeit ist und diese beiden Voraussetzungen sind nun gerade mal äußerst wichtig im Bio-Bereich.

    Die Anwendung der Sanktionen ist die Garantie des Vertrauenswürdigen im Bio-Bereich und auch dieser Bereich ist, genau wie andere, weder vor Mängeln noch Betrug geschützt. Wenn der Prüfer Nichtkonformitäten bzw. Abweichungen zur Bio-Konformität feststellt, kann er seine Ansichten, seinen Standpunkt äußern. Dies führt zum Dialog. Der Bericht mit den Feststellungen und Bestimmungen der Nichtkonformitäten deutet ebenfalls auf den Einsatz zur Korrektur: es ist wichtig, dass der Betreiber diesen Bericht unterzeichnet, auch wenn er nicht einverstanden ist, aber es schriftlich mittels dieses Berichts mitteilt.

    Ein eindeutiger und genauer Sanktionenkatalog

    Anhand des Berichts des Prüfers, vom Betreiber unterzeichnet, werden die besagten Sanktionen getroffen. Der Sanktionenkatalog wird von den öffentlichen Behörden gesetzlich erlassen. Die Sanktionen werden gemäß einem Katalog festgelegt, wobei die Ernsthaftigkeit der festgestellen Tatsachen berücksichtigt wird, sodass es zu Bemerkungen, Verbesserungsauflagen oder Verbot der Vermarktung der Erzeugnisse und Produkte kommen kann.

    Um eine gerechte Entscheidung zu gewährleisten, sieht das Zertifizierungssystem eine Trennung der Zuständigkeit zwischen Kontrolle und Zertifizierung vor. Jeder hat seine Aufgabe: der Prüfer stellt fest, berichtet, identifiziert und trifft Vorsichtsmaßnahmen, falls das Produkt den Bio-Normen nicht entspricht. Jedoch trifft er keine Entscheidung bzgl. der Sanktion. Es ist der Verantwortliche für die Zertifizierung, der diese Entscheidung trifft. Auf dieser Ebene wird die der Art und Tragweite der Nichtkonformität angepasste Entscheidung ebenfalls von der Tatsache, dass sie nicht von einer einzelnen Person abhängt und bestimmt wird, gebildet: die Zertifizierung liegt in den Händen eines Expertenteams.

    Bemerkungen:

    • Einfache Bemerkung: eine einfache Bemerkung trifft auf eine geringfügige Nonkonformität oder auf einen offensichtlich unabsichtlichen Mangel seitens des Betreibers zu.
    • Anfrage zur Mangelbehebung: die Anfrage zur Mangelbehebung präzisiert die festgestellte Nonkonformität und die erwartete Mangelbehebung, wozu der Betrieber sich schriftlich, durch Unterschrift verpflichtet

    Warnung:

    Eine Warnung erwähnt die vorgesehene Sanktion, falls der Betreiber der Warnung keine Folge leisten sollte. Falls die Mangelbehebung nicht innerhalb der gestellten Frist erfolgt, kommt es immer zu einer Warnung.

    Verstärkte Kontrolle:

    •Zur verstäkten Kontrolle wird immer dann entschieden, wenn eine Warnung erteilt wurde; die Kosten einer solchen verstärkten Kontrolle werden vom Betreiber getragen.

    Zurückstufung und Suspendierung:

    Zurückstufung einer Parzelle: Zurückstufung einer bestimmten Parzelle für eine bestimmte Dauer.
    Zurückstufung eines Warenloses: Endgültige Zurückstufung eines bestimmten Produktionsloses.
    Suspendierung eines Produkts: Dem Betreiber wird untersagt, ein bestimmtes, auf die biologische Erzeugung verweisendes Produkt während einer festgelegten Zeitdauer zu vertreiben.
    Endgültige Suspendierung: Es wird dem Betrieber verboten, sämtliche auf die biologische Erzeugung verweisende Produkte während einer festgelegten Zeitdauer zu vertreiben.

    Falls der Betreiber zu einer anderen Kontrollinstanz wechseln sollte, berücksichtigt die neue Kontrollinstanz - auf Basis der ermittelten Daten - die von der vorherigen Kontrollinstanz getroffenen Sanktionen.
    Die Anwendung des Sanktionentarifs und der Nonkonformitätentabelle hat nicht die Absicht, den Betreibern Sanktionen aufzuerlegen und zu bestrafen, sondern sie zur korrekten Anwendung der Bio-Produktionsregeln zu führen, auch wenn die Rückstufung von Losen oder Parzellen zwingend geboten ist.

    Sanktionen im Interesse der Öffentlichkeit

    Die Vielfalt der Beteiligten und Schritte, die zur Entscheidung einer Sanktion führen, gewährleistet eine gerechte Entscheidung, sowohl für den Betreiber als auch für den Verbraucher. Jede Entscheidung hat die Absicht, eine Bewusstwerdung sowie eine soziale Verantwortung nicht nur beim betroffenen Betreiber, sondern auch bei den anderen Betreibern und bei den Verbrauchern zu bewirken, auch wenn einige solche Entscheidungen für den Betreiber schwerwiegende Folgen  haben können.

    Einige solche Entscheidungen können für den Betreiber schwerwiegende Folgen haben, aber, wenn sie nicht getroffen werden, kann deren Ausbleiben bei der Öffentlichkeit einen noch schwerwiegenderen wirtschaftlichen Effekt für den Bio-Sektor mit sich bringen, denn es bedeutet einen unlauteren Wettbewerb. Die Betreiber, die die Bio-Grundsätze nicht anwenden, verursachen nicht nur sich selbst Schwierigkeiten, sondern gefährden überdies den gesamten Bio-Markt.

  • Einspruchs-
    verfahren

    Das interne Certisys-Einspruchsverfahren

    Certisys sieht ein internes Einspruchsverfahren vor, das vor dem behördlichen Gesuch beim zuständigen regionalen Landwirtschaftsministerium eingeleitet werden kann. Der Betreiber hat die Möglichkeit, per Einschreiben innerhalb von 14 Tagen (in Flandern 15 Tagen) nach Versand der Suspendierungs- bzw. Entzugsmeldung ein solches Einspruchsverfahren einzuleiten.

    Ein internes, aus verschiedenen Certisys-Verantwortlichen zusammengesetztes Komitee prüft den Einspruch. Wenn, infolge der zusätzlichen Angaben seitens des Betreibers, die Entscheidung revidiert wird, wird dies - nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden - innerhalb von 2 Wochen dem Betreiber mitgeteilt.