Landwirte

Sie haben sich für eine schonende, rücksichtsvolle Landwirtschaft entschieden? Sie befinden sich in der Übergangsperiode zur biologischen Landwirtschaft? Sie möchten Ihre Aktivitäten und Erzeugnisse aufwerten und bio-zertifizieren lassen? Sie haben die Absicht, Ihre Produkte mit dem BIO-Label zu vermarkten?

  • Bio-Kontrolle

    Zustimmungskontrolle

    Die Zustimmungskontrolle ist die erste vom Certisys-Prüfer durchgeführte Kontrolle und dieser prüft nach, ob Sie die gesetzlichen Bedingungen erfüllen. Innerhalb von 30 Kalendertagen nach Erhalt Ihrer Anfrage kontaktiert Sie der Certisys-Prüfer zur Terminvereinbarung. Nach positiver Zustimmungskontrolle wird ein Konvertierungsattest ausgestellt. Ihre Verpflichtung zum Einhalten des Lastenhefts tritt ab Erhalt Ihrer Anfrage in Kraft und ab diesem Datum beginnt die Konvertierung. Während seines Besuches überprüft, notiert und begutachtet der Certisys-Kontrolleur:

    Im Pflanzenbau: :
    - vollständige Beschreibung der Produktionseinheit (Liste mit allen angebauten Parzellen)
    - Installationen und Anlagen (Gebäude zu Lagerung, Verarbeitung, Verpackung)
    - Verarbeitung und Überwachung der Lebensmittel nach der Ernte (Einsatz fremder, außerbetrieblicher Arbeitskräfte?)

    In der Tierzucht:
    -
    eingesetzte Rassen
    - Zuchtrichtung (Fleisch/Milch, Geflügel/Eier…?)
    - Zuchtpraxis
    - Beschreibung der Futterrationen
    - Installationen und Anlagen: Stallungen und Haltung, Lagerung, Apotheke, Dünger (Einstufung genehmigter bzw. nicht-genehmigter Produkte)
    - Prophylaxe/Prävention (Medikamente?)

    Visite des installations
    - Stockage
    - Pharmacie
    - Engrais ( évaluation des produits non autorisés)

    Kontrolle mittels Probeentnahme

    Das Kontrollsystem sieht gezielte Prüfungsbesuche zu Probeentnahme vor. Ihre Frequenz, bis zu 6 oder noch mehr, wird aufgrund einer Risikoanalyse bestimmt, sie finden meistens unangemeldet statt, obwohl auch nach Terminvereinbarung möglich, und umfassen:

    Kontrolle der örtlichen Gegebenheiten
    Die Certisys-Prüfer gestalten ihre Prüfung je nach Saison und Aktivitäten:
    -    im Winter: Stallungen, Haltung und Lagerung
    -    im Frühjahr: Parzellen

    Probeentnahmen
    Die Certisys-Prüfer entnehmen Boden-, Ernte- oder Tiererzeugnissproben. Die Zahl der Entnahmen im Verlauf eines Jahres wird ebenfalls anhand der Risikoanalyse bestimmt.

    Jährliche Kontrolle zur Verlängerung der Zertifizierung

    Die jährliche Kontrolle findet nach Terminvereinbarung statt, wie es den beiden Parteien am besten passt. Es ist eine eher administrative Kontrolle vor Ort mit Prüfung aller Bücher, damit die Beschreibung der Produktionseinheit aktualisiert werden kann. Für diese jährliche Kontrolle sollte der Betreiber folgende Unterlagen bereithalten und aufbewahren:

    Im Pflanzenbau:
    - Anbauheft (Herkunft des Saatguts/Produktionsmittel, Verrrichtungen, Ernte)
    - Liste der Parzellen
    - Lagerungsbestand

    In der Tierzucht:
    - Zuchtheft (Tierverzeichnis, Fütterung, Behandlungen)
    - Transaktionskarte der Tiere
    - Information bzgl. des Haarbankdatensystems

    Zur Prüfung der administrativen Daten:
    - Akkreditierung der Zulieferanten
    - Beschwerdebuch
    - Buchhaltung Eingang/Ausgang des Geschäftsvorjahrs
    - Herkunft der Grundstoffe

  • Bio-Pflanzenanbau

    Saat- und Pflanzgut


    Saat- und Pflanzgut sollten aus der biologischen Landwirtschaft kommen, nicht von genetisch modifizierten Organismen (OGN) stammen. Ausnahmeregelungen für nicht-vorbehandeltes Saatgut sind vorgesehen, jedoch unter der in der Reglementierung genau präzisierten Bedingung, wenn das Angebot an Bio-Saatgut nicht ausreichend vorhanden ist.
    Die Website "organicxseeds" gibt hierüber Auskunft.
    Ihre Ausnahmegenehmigungen können Sie direkt auf der Website von organicxseeds ausdrucken
    Dafür müssen Sie sich zuerst mit Ihrer Unternehmensnummer und Ihrer Postleitzahl registrieren.
    Userguide Organixseeds Userguide Organixseeds(pdf)

    Bodenfruchtbarkeit und -aktivität

    Die Bodenfruchtbarkeit und -aktivität sollten vorrangig erhalten und gesteigert werden:
    - mehrjährig Fruchtwechsel
    - Anbau von Gründünger und Leguminosen
    - Wiederverwertung und Kompostierung von organischen Substanzen
    - Ausbringen von organischer Substanz aus dem eigenen Betrieb mit gemischter Tierzucht oder aus anderen Betrieben mit biologischer Landwirtschaft
    - Hydrokultur untersagt
    Andere Düngemittel, Bodenverbesserer oder Derivate von natürlichen Substanzen sind als Zusatz nur erlaubt, wenn sie in den Listen der Reglementierung aufgeführt werden und unter den vorgeschriebenen Bedingungen eingesetzt werden.

    Parasiten, Adventivpflanzen und Krankheiten

    Diese können unterdrückt werden mittels:
    - resistente Sorten und geeigneter Bodenbearbeitung (Hacken, Eggen,…);
    - Fruchtwechsel und vergesellschaftete Kulturen;
    - Hecken, die die Biodiversität und die natürlichen Bekämpfungshilfen fördern, und, falls erforderlich, biologische Schädlingsbekämpfung.
    Andere zusätzliche Bekämpfungsmittel werden nur dann erlaubt, wenn sie in den Listen im Anhang der Reglementierung* aufgeführt sind und unter den festgelegten Bedingungen eingesetzt werden.

    Siehe die Liste der in Belgien zugelassenen und im ökologischen Landbau verwendbaren Pflanzenschutzmittel (Version 17/05/18) unter den Bedingungen der Phytoweb-Website

  • Bio-Tierzucht

    Herkunft der Tiere

    - Rassen und Familien, heimische oder örtliche bevorzugt, sollten angepasst und resistent sein.
    - Die Tiere müssen im Betrieb geboren sein oder aus einem Bio-Betrieb stammen.
    - In bestimmten Fällen (Aufbau eines Viehbestands, Remontierung) sind Ausnahmen möglich und es wird den betroffenen Tieren eine Übergangsperiode auferlegt.

    Unterkunft und Auslauf

    - Ganzjährige, exklusive Stallhaltung ist untersagt.
    - Alle Tiere verfügen über Auslauf und, sofort wenn die Wetterbedingungen es erlauben, werden Wiederkäuer auf der Weide gehalten.
    - Im Stall sind Luft, natürliches Licht sowie eine Mindestfläche für jedes Tier, sodass es sich frei bewegen kann, Voraussetzung.
    - Die Größe der Bestände ist begrenzt.

    Fütterung der Tiere

    - Die Futterration der Tiere muss mindestens 50% betriebseigene oder in Zusammenarbeit mit regionalen Bio-Betreiber angebaute Futtermittel enthalten. Die Futtermittel müssen zu 100% aus der
    - Bio-Anbau stammen, es sei denn, es wurde eine Übergangsregelung getroffen. Im letzteren Fall müssen die eingesetzten Futtermittel gemäß Reglementierung* ausdrücklich erlaubt sein und dürfen nicht genetisch modifiziert sein (GVO).
    - Einmischen von Futtermitteln aus der Übergangsperiode ist begrenzt erlaubt.
    - Der Einsatz von Zusatzmitteln und andere Substanzen ist nur möglich, wenn laut Reglementierung* zulässig.
    - Junge Säugetiere werden mit Muttermilch oder natürlicher Milch getränkt.
    - In der biologischen Landwirtschaft ist Stopfen verboten.

    Vorbeuge und Behandlung von Krankheiten

    Die Tiergesundheit basiert hauptsächlich auf Prävention und auf Zuchtpraxen, die die natürlichen Abwehrkräfte der Tiere fördern. Wenn es zu Gesundheitsproblemen kommt, sind homöopatische und phytotherapeutische prioritär einzusetzen.
    Andere veterniärmedizinische Medikamente dürfen nur kurativ, als Heilmittel, unter bestimmten Voraussetzungen verabreicht werden, nämlich:
    - die Zahl der pro Tierart und pro Jahr erlaubten Behandlungen, wie in der Reglementierung* vorgesehen (von 1 bis 3), darf nicht überschritten werden;
    - die gesetzliche Wartezeit vor Vermarktung wird verdoppelt.
    Die allgemeine Reglementierung bzgl. Impfungen und verpflichteter Behandlungen ist anzuwenden.

  • Die Konvertierung zur biologischen Landwirtschaft

    Pflanzliche Erzeugnisse

    Für den landwirtschaftlichen Betrieb ist eine Konvertierungsperiode der Parzelle vorgesehen. Diese Periode begint nach Erhalt der Aktivitätsbenachrichtigung und Unterzeichnung des Vertrags. Dies bedeutet, dass während dieser Periode alle Produktionsbedingungen zu erfüllen sind, jedoch ohne dass die Erzeugnisse als Bio-Produkte vermarktet werden können.

    Die Konvertierungsperiode dauert zwei bis drei Jahre.
    Nach dem ersten Jahr kann das Produkt mit dem Vermerk «Erzeugnis in Konvertierung zur biologischen Landwirtschaft» vermarktet werden.
    Mit dem Anbau (säen/pflanzen) muss zwei Jahre nach Beginn der Konvertierungsperiode angefangen werden, um die Bezeichnung «biologisch» führen zu können, und drei Jahre gewartet werden, damit die Ernten der mehrjährigen Pflanze als Bio-Erzeugnis betrachtet werden.

    cultures pérennes

    Tierische Erzeugnisse

    Es wird eine gleichzeitige Konvertierung des gesamten Betriebs (Flächen und Tiere) von 24 Monaten vorgesehen. Nach Ende der Konvertierungsperiode unter Einhalten der Regeln der Bio-Landwirtschaft für die Tierzucht, können die Tiere sofort zertifiziert werden.

    Für Nicht-Pflanzenfresser (Schweine und Geflügel) ist eine Umstellung des Auslaufs vorzusehen und diese Periode kann auf 6 Monate zurückgeführt werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
    1. keinerlei Einsatz von nicht-erlaubten Produkten im Jahr vor der Aktivitätsbenachrichtigung
    2. negatives Ergebnis für Pestizide bei der Bodenanalyse.

  • Einige Vorsichtsmaßnahmen

    Konformität von Saatgut, Pflanzgut, Tierfutter, Zutaten

    Vor jedem Ankauf sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Produkte tatsächlich aus der biologischen Landwirtschaft kommen, indem man den Händler fragt, ein gültiges Zertifikat  mit Bezug auf die Ware vorzulegen. Dieses Dokument nebst Rechnung, Etikettierung und Lieferschein unter Angabe der biologischen Eigenheit der Produkte sind als Beweismittel anlässlich der Kontrollen aufzubewahren.

    Wareneingansprufung von betriebsmitteln Wareneingansprufung von betriebsmitteln(pdf)

    Produkte, die in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden können

    Dünger, Behandlungsprodukte, Reinigungsprodukte…, wenn die Bestandteile dieser Produkte laut den Listen im Anhang zum Reglement erlaubt sind.

    Ernte, Lagerung, Transport und Rückverfolgbarkeit

    Es sind alle erforderliche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass keine Mischung oder Verschmutzung mit vom Reglement nicht-erlaubten Produkten stattfindet. Für jeden Produktionsabschnitt sind die erforderlichen Eintragungen vorzunehmen (Hefte bzgl. Anbau, Tierzucht, Ernte, Lagerung, Lieferung…), sodass die Rückverfolgbarkeit gewährleistet ist..

    Verwaltung in Mischbetrieben

    Das Lastenheft sieht die Möglichkeit vor, nebst konventionellen auch Bio-Produkte zu erzeugen und zwar in zwei verschiedenen Betriebseinheiten (bio und nicht-bio), jedoch so, dass die Erzeugnisse unterschieden werden können. Zwei Beispiele:
    Pflanzenbau: die konventionnelle Erzeugnisse müssen visuell von den Bio-Erzeugnissen unterschieden werden können.
    Tierzucht:
    es handelt sich um verschiedene Tierarten (bio/nicht-bio).